Begeisternde Blasmusik mit und ohne Holz

sbw bSCHOPFHEIM. Das Doppelkonzert des Alemannischen Musikverbandes in der Schopfheimer Stadthalle konfrontierte die mehr als 300 Besucher mit ganz unterschiedlichen blasmusikalischen Klangwelten: Auf der einen Seite das Verbandsjugendorchester Südbaden Winds (SBW) als sinfonisches Blasorchester, also eine Art Sinfonieorchester ohne Streicher, auf der anderen AEW Concert Brass aus dem aargauischen Fricktal, eine Art Kammerorchester aus Blechbläsern.

Gordon Hein, Verbandsdirigent und damit künstlerischer Leiter des SBW, zeigte sich überrascht und erfreut über die starke Publikumsresonanz an dem sonnigen Spätsommernachmittag. Unter seiner Leitung zeigten die rund 50 Jugendlichen und einige Junggebliebene des SBW die klangliche Vielseitigkeit des sinfonisch besetzten Blasorchesters mit einer breiten Instrumentalpalette von Holz- und Blechbläsern sowie üppigem Schlagwerk. Was SBW bot, war mehr als respektabel, vor allem wenn man bedenkt, dass rund ein Dutzend Nachwuchsmusiker erstmals mitspielten und die Vorbereitung gerade mal zwei Wochenenden umfasste. Der erste Satz „Gandalf“ aus der Sinfonie Nr. 1 „Lord of the Rings“ des Niederländers Johan de Meij forderte den klangfarblichen Reichtum des Orchesters in besonderem Maße. Matt Conaways furios endenden „Minimal Dances“ mit virtuosen Soli durch die Register war vor allem rhythmisch eine Herausforderung, während James Barnes’ „Yorkshire Ballad“ lyrische Qualitäten verlangte. Im Schlusssatz von José Alberts Pinas „The Island of Light“, der von Riesen erzählt, die auf der Insel Menorca gigantische Steinbauten errichtet haben sollen, trumpfte das Orchester erneut mit klanglicher Vielfarbigkeit auf, unterstützt von Effekten aus dem Synthesizer.

sbw aFast schon klassisch mutete da der zweite Konzertteil mit den Aargauern an. Die in der Standardbesetzung von zwei Dutzend Blechbläsern sowie drei Schlagzeugern aufspielenden Gäste pflegen seit Jahrzehnten eine blasmusikalische Form, die Mitte des 19. Jahrhunderts in den Kohlegruben Englands entstanden ist. Neben Großbritannien zählt die Schweiz zu den Hochburgen dieser Kammerorchester. Der Marsch „Simoraine“ der Aargauer machte ohrenfällig, mit welcher dynamischen Spannweite Brass Bands musizieren können und wie homogen sie klingen. Nicht von ungefähr setzt sie die Heilsarmee als „lebende Orgeln“ ein.

Unter der Leitung von Tristan Uth, der auswendig und barfuß dirigierte, interpretierte Sascha Rudolf das Gitarrensolo im Adagio von Joacquin Rodrigos „Concierto de Aranjuez“ gefühlvoll auf dem Flügelhorn. In den Ouvertüren zu den Operetten „Leichte Kavallerie“ und „Dichter und Bauer“ ließ vor allem staunen, wie sich etwa virtuose Geigen- oder Cellostimmen mit Kornett und Euphonium spielen lassen. Dass das Programm etwas altmodisch wirkte, verschmerzte man angesichts der Qualität der Interpretationen leicht. Schließlich ist – soweit die Musik gut ist – nicht so entscheidend, was, sondern wie gespielt wird. Und das war bei AEW Concert Brass exzellent, inklusive Zugaben: dem Finale aus Rossinis „Wilhelm Tell“ und dem aus der böhmisch-mährischen Tradition stammenden Marsch „Die Sonne geht auf“ von Rudi Fischer.

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