Licht und Schatten bei den Blasmusikern

jhv 2018

Bei den rund 3300 Blasmusikern im Landkreis Lörrach liegen Licht und Schatten derzeit nahe beieinander. Das wurde am 4. November bei der Hauptversammlung des Alemannischen Musikverbandes (AMV) in Malsburg-Marzell deutlich. Einzelne der gut 60 Vereine haben den Spielbetrieb eingestellt; andere sehen ihren Fortbestand gefährdet. Gleichzeitig boomt das AMV-Jugendorchester wie kaum je zuvor. Und auch in Sachen Leistungsabzeichen für Jungmusiker ist 2018 ein starker Jahrgang, was gute Jugendarbeit in vielen Vereinen belegt.

Passender hätte der Versammlungsort kaum sein können. Schließlich ist der gastgebende Musikverein „Edelweiß“ Malsburg-Marzell bereits 2002 aus der Fusion zweier zuvor selbstständiger Vereine hervorgegangen, von denen jeder für sich keine Zukunft mehr sah. AMV-Präsident Peter Hässler deutete daher zumindest an, dass das auch andernorts ein erfolgversprechendes Modell sein könnte.


Aktuell befindet sich die regionale Blasmusikszene offenbar in einer Phase der Konsolidierung. In fast allen Altersgruppen sind die Zahlen rückläufig. Ein genaues Bild hat der Verband indes nicht. Hässler geht davon aus, dass neben der Stadtmusik Kandern, die sich mangels Mitspielern aufgelöst hat, auch der Musikverein Endenburg nicht mehr existiert; und in Langenau treffen die Mitglieder demnächst wegweisende Entscheidungen. Dafür, dass kein Vorsitzender gerne bekannt gibt, wenn sein Verein einer ungewissen Zukunft entgegensieht, hat Hässler Verständnis. Er ermunterte aber, über Probleme besser zu informieren. Der Verband habe zwar keine Patentrezepte, könne aber vielleicht mit Rat helfen. „Schließlich bilden wir eine Gemeinschaft und das nicht nur in guten Zeiten.“

Auch Helmut Steinmann, AMV-Ehrenpräsident und Vizepräsident des übergeordneten Bundes Deutscher Blasmusikverbände, forderte auf, die Flinte nicht zu früh ins Korn zu werfen, wenn es schwierig wird, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, „sondern zu schauen, ob man die Tür nicht einen Spalt weit offen halten kann, bevor man sie ganz zuschlägt“. So könne etwa das Musizieren im Ensemble eine Lösung für den Übergang sein; und die Erfahrung lehre, dass mancher Verein, der schon verloren schien, wieder zu neuer Stärke gefunden hat.

Veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen haben in den zurückliegenden Monaten Verband und Musikvereine stark beschäftigt. Dabei werden die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung als lästiges, aber unausweichliches bürokratisches Übel empfunden. Anders sieht es beim Kinder- und Jugendschutz aus. AMV-Vizepräsident Holger Gertz forderte die Vereine auf, Ohren und Augen stets offen zu halten. Setzen sie das vom Landkreis als Träger der öffentlichen Jugendhilfe vorgegebene Konzept konsequent um, sei das auch ein Qualitätssiegel für gute Arbeit im Verein. „Denn Kinder- und Jugendschutz geht alle an.“

Erfreuliche Zahlen präsentierte das Musikteam des AMV. Jugendleiter Thomas Schmid blickte auf ein erfolgreiches Jahr bei den Prüfungen zu Leistungsabzeichen für Nachwuchsmusiker zurück. Das gilt noch mehr für Südbaden Winds. Unter der Leitung von Verbandsdirigent Gordon Hein hat das Verbandsjugendorchester enorm Fahrt aufgenommen: Hein kann inzwischen aus einem Pool von 69 Nachwuchsmusikern schöpfen, von denen freilich nicht alle bei jedem Auftritt dabei sind. Zudem ist Südbaden Winds Lehrgangsorchester an der Musikakademie in Staufen. Wo es leistungsmäßig steht, soll 2019 die Teilnahme an einem Wertungsspiel beim Bundesmusikfest in Osnabrück zeigen. Die Schattenseite der erfolgreichen Jugendarbeit des Verbandes offenbarte Silvia Gerbodes Kassenbericht: Prüfungen und Orchester kosten mehr Geld. Der Verband schloss denn auch bereits 2017 mit einem Minus von gut 1700 Euro. Eine Lösung, wie das strukturelle Minus beseitigt werden kann, ohne qualitativ Abstriche zu machen, ist noch nicht gefunden.

Wahlen: Birgit Ludin und Holger Gertz (stellvertretende Präsidenten), Gordon Hein (Verbandsdirigent), Silvia Gerbode (Verbandskassiererin)

Die nächste Hauptversammlung des AMV ist am Sonntag, 3. November 2019, 14 Uhr, im Bezirk III.

Fotos von der Versammlung und dem gastgebenden Musikverein "Edelweiß" Malsburg-Marzell, der unter der Leitung von Dirigent Andreas Kramer für den guten Ton sorgte, finden hier.