"Es gibt keine Alternative"

jhv1433Die Zeiten, in denen Blasmusikvereine beim Nachwuchs leichtes Spiel hatten, sind offenbar vorbei

MAULBURG. Echte Ängste sind angesichts eines Durchschnittsalters von 26 Jahren fehl am Platz. Doch zunehmend Sorgen um die Zukunft machen sich die Blasmusikvereine auch im Landkreis Lörrach. Hatten sie viele Jahre bei der Nachwuchsgewinnung leichtes Spiel, wird dies zunehmend zu einer großen Herausforderung. Dies machte die Hauptversammlung des Alemannischen Musikverbandes (AMV) am 2. November in Maulburg deutlich.

jhv1412Patrick Rapp, Landtagsabgeordneter aus Oberried und neuer Präsident des Bundes Deutscher Blasmusikverbände (BDB), deutete beim ersten offiziellen Termin nach seiner Wahl an, dass bei der Jugend der Schuh drückt, bemühte sich aber, das Positive zu sehen. „Bei den ganz Jungen ist ein Plus zu verzeichnen.“ Deutlicher wurde Peter Hässler, der als Präsident erstmals eine AMV-Hauptversammlung leitete. „Eine Wanderung mit anschließendem Grillen reicht heute nicht mehr, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten“, sagte er den Vertretern von rund 60 Vereinen im Landkreis. Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der 8- bis 18-Jährigen im AMV um 133 oder rund zehn Prozent zurückgegangen. Die Gesamtzahl der Aktiven indes blieb stabil bei 3420.
Die Ganztagesschulen und ein verändertes Freizeitverhalten hinterließen ihre Spuren in den Vereinen, analysierte Hässler. Wie schwierig es ist, Jugendliche unter diesen Bedingungen zu gewinnen und im Verein zu halten, wisse er aus 20-jähriger Erfahrung als Vorsitzender genau. Dazu, den Nachwuchs für die gemeinsame Sache des Musizierens zu begeistern, gebe es aber keine Alternative, wenn die Leistungsfähigkeit der Blasorchester fortbestehen soll. Hässler ermunterte, für Ideen und Methoden die Weiterbildungsangebote der BDB-Musikakademie in Staufen und die Erfahrung anderer zu nutzen. „Wir müssen nicht alles neu erfinden.“ Auch das Präsidium des AMV will aus der Distanz Möglichkeiten aufzeigen, etwa für Kooperationen mit Schulen oder anderen Vereinen in der Ausbildung. „Wir müssen vermitteln, dass Blasmusik nicht uncool, sondern jung, dynamisch und attraktiv ist.“
Ein Rückgang ist auch bei den Leistungsabzeichen für Jungmusiker zu verzeichnen, einem eigentlichen Erfolgsmodell, wie Marcel Blatter vom Musikverband beider Basel attestierte. Nicht bei der höchsten Stufe, wo der AMV mit voraussichtlich 17 Gold-Mädchen und -Jungen einen neuen Rekord aufstellt, und beim Silber-Abzeichen, das sich mit 48 erfolgreichen Teilnehmern leicht über Vorjahresniveau bewegt, wohl aber bei Bronze. Für die Prüfung Ende November haben sich die Anmeldungen aktuell gegenüber dem Vorjahr halbiert, berichtete Jugendleiter Edgar Kaiser. Er wies darauf hin, dass vom Frühjahr 2015 Bronze nach den neuen Büchern von Michael Stecher geprüft werde. Kaiser appellierte, den Bereichen Rhythmus und Gehörbildung, die bei JMLA-Prüfungen häufig Stolpersteine sind, mehr Beachtung zu schenken, und diese theoretischen Elemente bereits bei Beginn einer Instrumentalausbildung einfließen zu lassen.
In guter Verfassung präsentiert sich das Verbandsjugendorchester (VJO). Hier erntet der Verband die Früchte der Aufbauarbeit. 73 junge Blasmusikerinnen und Blasmusiker aus 29 Vereinen (Durchschnittsalter 18,75 Jahre) wirken 2014 unter der Leitung von Joachim Wendland mit. Die größten Gruppen kommen aus der Hebelmusik Hausen (8) und den Musikvereinen Wollbach (7) und Wiechs (6). In den Pfingstferien 2015 fährt das VJO zum zweiten Mal nach 2012 in den polnischen Partnerlandkreis Lubliniec.
Auf dem richtigen Weg sieht sich der AMV mit dem Beitritt zur KSK-Ausgleichskasse. Wie 15 weitere von 19 Verbänden im BDB sei damit für die Vereine eine rechtlich sichere Basis für den Umgang mit den Sozialversicherungssystemen geschaffen, befand Hässler.
Der AMV will bei seinen Hauptversammlungen der Musik mehr Raum geben. So spielte in der Alemannenhalle der gastgebende Musikverein Maulburg unter Leitung von Edgar Kaiser bereits beim Eintreffen der Vereinsvertreter und Ehrengäste; ein musikalisches Intermezzo durch ein Ensemble übernahm bei der Premiere das Wiechser Brassquintett, das auch beim anschließenden Stehempfang mit Weinprobe, gesponsert von der Winzergenossenschaft Efringen-Kirchen, unterhielt. Daniel Gramespacher

jhv1415Wahlen: Birgit Ludin (stellvertretende Präsidentin), Anne Steinmann (Kassiererin), Joachim Wendland (Dirigent) und Sandra Fiedel (stellvertretende Jugendleiterin) wurden einstimmig für zwei Jahre gewählt.
Mitglieder: 3420 aktive Musiker in 66 Vereinen, davon 1937 unter 28 Jahren
Ehrengäste: u.a. Jürgen Multner (Bürgermeister, Maulburg), Patrick Rapp (BDB), Marcel Blatter (Musikverband beider Basel), Roland Schönenberger (Elsass), Rudolf Wolpensinger (Ehrendirigent), Manfred Loritz und Helmut Steinmann (Ehrenpräsidenten), Paul Renz, Gabriele Weber, Erich Hildebrand (Kreistag Lörrach), Karl-Heinz Vogt (Hausen)
Ehrungen: AMV-Ehrenpräsident und BDB-Vizepräsident Helmut Steinmann überreichte Sven Behringer (Todtnau) für zehnjährige Tätigkeit im AMV-Präsidium die bronzene BDB-Verdienstnadel.
Die nächste AMV-Hauptversammlung ist am Sonntag, 8. November 2015, 14 Uhr, im Bezirk IV

Eine Galerie mit Fotos von der Hauptversammlung ist hier zu finden.